Sicherheit bei der Ausbildung junger Pferde

Sicherheit bei der Ausbildung junger Pferde

In der Ausbildung junger Pferde gibt es grundlegende Sicherheitsstandards, die es zu beachten gilt um das noch junge und unerfahrene Pferd und vor allem sich selbst nicht zu gefährden. Sobald es an das Einreiten eines jungen Pferdes geht entsteht für das Tier ein enormes Stresspotential. Zunächst an Longe und in Bodenarbeit angeführt ist nun das ungewohnte Gewicht des Sattels und des Reiters eine große Herausforderung für Mensch und Tier. Immer wieder kann es dabei zu Panikreaktionen kommen wenn das Selbstvertrauen des Pferdes „einknickt“. Deshalb ist vor allem der Eigenschutz des Reitenden besonders wichtig. Pflicht ist es zumindest einen handelsüblichen Reithelm zu tragen. Auch eine Warnweste zusätzlich zum Reiterhelm ist notwendig, sobald das Grundstück des Gestüts verlassen wird und es in die nähere Umgebung zum Ausritt geht.

Gewohnte Abläufe und Orte

Vor allem bei einem Ausritt mit einem jungen Pferd sollte man darauf achten, dass es nicht zu weit hinausgeht. Kurze zehn bis 20 minütige Strecken die rund um den Heimathof des Pferdes herumführen stärken sein Vertrauen in den Menschen, und geben ihm Halt in einer möglicherweise noch ungewohnten neuen Welt.

Lassen Sie sich nicht von Übermut hinreißen und diktieren Sie kein zu schnelles Tempo.

Vor allem junge Pferde, für die der Sattel noch ungewohnt ist, neigen dazu Anweisungen zu verweigern, oder gar zu bocken.

Achten sie deshalb darauf, möglichst entspannt und ruhig mit ihrem Pferd zu arbeiten.

Verwenden sie ähnlich klingende sanfte Worte und vermeiden sie Zischlaute.

Sprechen Sie das junge Pferd mit einer ruhigen und bestimmten Stimme an. Das signalisiert nicht nur innere Stärke, sondern zeigt auch dem Pferd klar und unmissverständlich auf wen es ankommt.

 

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Der Fall der Fälle

Im Fall der Fälle sollten sie auf möglichst zugängliches Arbeitsmaterial setzen. Karabinerhaken und verschiedene leichte Seemannsknoten, die sich mit einem kurzen Ruck lösen lassen sind in einem Extremfall Gold wert und können Verletzungen oder Stürze vermeiden. Lösen sie sich von ihrem Pferd und lassen Sie es eine Weile laufen, so dass es sich beruhigen kann. Bleiben sie in der Nähe und laden sie es durch eine ihm leicht zugewandte Körperhaltung ein, zurückzukehren.

Beachten Sie dabei:

Eine direkte Hinwendung zum Pferd kann als erneute Bedrohung empfunden werden!

Drehen Sie sich niemals einem aufgeregten Pferd frontal zu!

 

 

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Reitabzeichen 8 RA 8

 

Wer darf teilnehmen?

 

  • Kinder
  • Jugendliche
  • Erwachsene

die an dem Vorbereitungslehrgang teilgenommen haben.

 

Welche Ausrüstung benötigt der Reiter?

 

  • Reitkappe
  • Handschuhe
  • Reitstiefel oder knöchelhohe Schuhe mit Absatz (Jodphurstiefelette)
  • Hose
  • eng anliegende Oberbekleidung
  • (keine Turnierbekleidung erforderlich)
  •  

      Welche Ausrüstung benötigt das Pferd?

          • Ausrüstung analog §70 LPO
          • Hilfszügel gemäß § 70.D LPO sind zugelassen

       

      In Abstimmung mit dem Lehrgangsleiter können in begründeten Fällen Ausnahmen genehmigt werden.

       

      Was muss ich können?

       

      Die Prüfung zum RA 8 gliedert sich in 3. Teilprüfungen:

       

      1. praktisches Reiten Dressur
      2. praktisches Reiten mit verkürzten Bügeln
      3. Stationsprüfung (drei Stationen)

       

        1. Teilprüfung praktisches Reiten Dressur

         

                    • Reiten einer Aufgabe in Anlehnung an die Klasse E nach Weisung des Ausbilders (ca. 5 Minuten)
                    • 4 Reiter (max) reiten auf dem Platz /der Halle durcheinander. Auf beiden Händen in allen drei Grundgangarten mit Hufschlagfiguren.
                    • Reiten ohne Bügel (im Schritt reicht)

        Reiten auf einem Aussenplatz wäre wünschenswert.

         

        2. Teilprüfung Sitzschulung/Reiten mit verkürzten Bügeln

         

                    • Reiten einer Geschicklichkeitsaufgabe mit verkürzten Bügeln
                    • leichter Sitz in  verschiedenen Ausprägungen und über Stangen und Bodenricks

        Freiwillig kann auch die Teilprüfung Geländereiten erfolgen und kann die Teilprüfung 2 Reiten mit verkürzten Bügeln ersetzen.

        Im Außengelände werden auf unebenem Boden, bergauf und bergab reiten sowie Reiten  im leichten Sitz in allen Grundgangarten geprüft.

         

        3.Stationsprüfung

         

        In der Stationsprüfung werden sowohl praktische Handhabungen und theoretisches Wissen abgefragt

        Station 1

        Rassen, Farben, Abzeichen, Körperbau

        Ort: Halle, Stallgasse, Weide idealer weiser Erklärungen am angebundenen Pferd

        Station 2

        Grundkenntnisse über die gezeigten Sitzformen, Hufschlagfiguren, Bahnordnung

        Ort: Reithalle, Dressurviereck, Holzpferd

        Station 3

        Bodenarbeit: siehe Inhalte RA 9 (Station 3) zusätzlich Slalom, Gangmaßwechsel im Schritt

        Ort: Stallgasse / Außenplatz/ Halle

        Ausrüstung Pferd: Halfter (Knotenhalfter), Trense, Strick. (Angebunden werden darf das Pferd nur mit einem Stallhalfter)

        Ausrüstung Reiter: Gerte zulässig, Kappe und Handschuhe empfohlen

        Aufgabe1: Führen durch einen Slalom:

        Der Führende darf sich aussuchen ob er rechts oder links vom Pferd geht, darf aber während der Übung die Seiten nicht wechseln.

        Bewertet werden Geschicklichkeit, Deutlichkeit der Signalgebung, Einsatz von Hilfsmitteln (Arm, Gerte, Führstrick etc.)

        Aufgabe 2: Tempounterschiede im Schritt

        Der Führende soll das Pferd in unterschiedlichen Tempi im Schritt in der Halle oder auf dem Außenplatz führen.

        Bewertet werden Geschicklichkeit, Deutlichkeit der Signalgebung, Einsatz von Hilfsmitteln (Arm, Gerte, Führstrick etc.)

         

         

        Wer darf die Prüfung abnehmen?

         

          • Trainer C mit gültiger DOSB Lizenz oder BLSV Lizenz
          • Bereiter klassische Reitausbildung mit gültiger DOSB Lizenz, BLSV-Trainerlizenz oder BBR Fortbildung
          • Pferdewirtschaftsmeister Teilbereich Reitausbildung
          • Richter Reiten
          • Richter Breitensport Reiten

         

         

        Was wird bewertet?

         

        1. Teilprüfung:

        Die Abnahme der Prüfung muss altersgerecht und so praxisnah wie möglich erfolgen. Bewertung:

            • losgelassene und ausbalancierte Sitzgrundlage
            • Vertrauen zum Pferd/Pony
            • korrekte  Hilfengebung und Kontrolle des Reiters über sein Pferd (Temporegulierung, Abstand etc.)
        2. Teilprüfung:
                    •  losgelassene und ausbalancierte Sitzgrundlage mit verkürzten Bügeln
                    •  Vertrauen zum Pferd/Pony
                    •  korrekte Ansätze zur richtigen Hilfengebung und die beginnende Kontrolle desReiters über sein Pferd (z.B. Temporegulierung und Abstand halten können)

         

        3. Teilprüfung:
                    • Tempowechsel im Schritt: das Pferd soll der Tempoveränderung des Führenden folgen. Bewertet wird, wie der Prüfling aufgrund seiner Körperhaltung, Position, Stimmhilfe, Tempo des Führenden, ferner Einsatz von Arm, Gerte, des Strick ,Halfter das Gangmaß des Pferdes beeinflussen  kann

         

        Das Ergebnis lautet bestanden oder nicht bestanden
        Beim Nichtbestehen, ist die gesamte Prüfung zu wiederholen. Die Nachprüfung darf beim nächstmöglichen Termin wiederholt werden.
        Das RA 8 kann jährlich neu erworben werden

        Die Reitabzeichen 10 bis einschließlich 6 dürfen in beliebiger Reihenfolge abgelegt und auch mehrfach wiederholt werden.

         

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Geländereiten Tipps für ein unbeschwertes Vergnügen

Die Sonne lacht, auf dem Reitplatz steht die Sonne, in der Reithalle könnte man Palmen züchten und das Pferd soll dennoch bewegt werden?! Da ist doch der Gedanke:“ dann gehe ich einfach mal ins Gelände“ nicht weit hergeholt. Nur was muss ich beachten, wenn ich ins Gelände reite? Wo darf ich reiten? Wie verhalte ich mich richtig? Fühle ich mich sicher genug? Welche Ausrüstung wäre angebracht?

Hier möchte ich etwas Licht ins Dunkle bringen.

aufgalopp

1. Wo darf ich reiten?

Generell ist ein Reiter ein normaler Straßenverkehrsteilnehmer, also darf er auf allen Wegen und Straßen reiten die auch für den Verkehr frei gegeben sind, außer es ist dort ausdrücklich verboten.

Anders verhält es sich auf Fußgängerwegen, da haben Reiter nichts verloren, außer es ist dort aussdrücklich erlaubt  zu Reiten. (Beschilderung ist erforderlich)

Wenn Reitwege mittels Schilder ausgewiesen sind, so sind diese auch zu benutzen. Ausnahmen wären zu begründen wie Unpassierbarkeit durch umfallende Bäume oder derzeitig laufende Rodungs- oder Erntearbeiten.

Reitwege auf Truppenübungsgelände können ebenfalls während militärischer Übungen gesperrt werden.

Für Stoppelfelder oder abgemähte Wiesen gilt: diese dürfen nur beritten werden wenn der Landwirt bzw. Eigentümer diese zum Reiten freigegeben hat.

Wie überall im Straßenverkehr gilt die Straßenverkehrsordnung, sowie die die Landschaftsgesetze der Länder ( in NRW § 50 (Fn 14) Reiten in der freien Landschaft und im Walde) und die weiteren kommunale Regelungen.

2. Wann darf ich mit einem Pferd ausreiten?

Ich darf dann mit einem Pferd ausreiten, wenn ich es in allen drei Grundgangarten beherrsche und ich es auch in schwierigen Situationen gehändelt bekomme. Die Umwelteinflüße die auf ein Pferd im Gelände einströmen sind nicht zu unterschätzen. Von kläffenden Hunden, die lustig um die Pferdebeine springen oder das Passieren von großen Erntemaschinen kann alles dabei sein. Das Überqueren von Bundesstraßen gerade mit mehreren Reitern will gekonnt sein, denn dort gelten besondere Anordnungen die es zu befolgen gilt.

3. Kann ich alleine ausreiten?

Rein theoretisch ist dies natürlich möglich. Zu zweit oder zu mehreren  ist es aber ungefährlicher und im Falle eines Unfalls ist auch schnellere Hilfe möglich. Ist ein Pferd ängstlich, würde ich immer ein geländeerfahrenes Pferd als Begleitung wählen, denn der Herdentrieb kann hier gefährliche Situation vermeiden helfen. Falls Du tatsächlich lieber alleine ausreiten magst, so sage im Stall Bescheid wohin Du reitest, welche Route Du wählst und wie lange Du ungefähr unterwegs sein wirst. Moderne Menschen nutzen darüber hinaus auch gerne die Standortbestimmungsdienste Ihrer Smartphones.

4. Welche Ausrüstung benötige ich?

Ganz gleich welche Reitweise Du bevorzugst sollte eine splittersichere Kappe und ein paar Handschuhe sowie knöchelhohe Schuhe zu Deiner Ausrüstung gehören. Sicherheit geht schließlich vor. Argumente wie: „sonst reite ich auch ohne Handschuhe“ zählen in diesem Moment nicht, denn Zügel können sofern sie nass werden unglaublich rutschig werden, hier helfen die Handschuhe. Genauso bei sehr hitzigen Pferden die ich konsequent zügeln muss, hier riskiere ich ohnehin Blasen in den Händen, so dass ich im entscheidenen Moment dann doch u.U. die Kontrolle verliere, weil die Hände schmerzen.

5. Welche Ausrüstung benötigt das Pferd?

Die Ausrüstung sollte gut passen und in Ordnung sein. Mit angerissenen Zügeln oder Bügelriemen kann aus dem gemütlichen Ausritt schnell ein Kamikazeritt werden. Die Beine der Tiere würde ich durch gut sitzende Gamaschen schützen, denn so werden die Beine der Tiere vor Verletzungen durch  brechenden Ästen und kleinen aufgewirbelten Steinen bewahrt. Welche Zäumung Du wählst liegt insgesamt an der Rittigkeit Deines Pferdes. Bedenke bei der Wahl des Gebisses gilt immer, so weich wie möglich, so scharf wie unbedingt nötig.

6. Was muss ich beachten, wenn wir anderen Tieren begegnen?

Grundsätzlich gilt, passiere andere Tiere immer im Schritt. Gerade beim zügigen Vorbeireiten an einer Pferdeweide, fühlen sich die Artgenossen zu Wettrennen hingezogen. Das gleiche kann Dir allerdings auch bei z.B. einer Rinderherde geschehen, bockende Jungbullen annimieren auch Dein Pferd zu lustigen Laufspielereien. Gerade Tiere die neugierig sind, wie Schafe, Ziegen, Lamas und Strauße können so manches ruhig Pferd in Panik versetzen. Insbesondere wenn das Pferd auch noch lautstark von ihnen begrüßt wird. Das größte Problem in Feld und Wald sind jedoch Hunde die von Ihren Besitzern nicht mehr abgerufen werden können und wenn man Pech hat anfangen das Pferd zu jagen. Sucht mit diesen Hundebesitzern auf jeden Fall das Gespräch, denn solche Hunde gehören an die Leine. Gerade in Ballungsgebieten ein riesen Problem.

7. Brauche ich fürs Reiten im Gelände einen Führerschein?

Im Gelände reiten darf jeder, der sein Pferd sicher beherrscht. Dennoch ist es sinnvoll für das Reiten im Gelände den sogenannten Reitpass abzulegen.

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Dem Reitpass geht eine theoretische Ausbildung sowie praktische Übungen im Gelände vorraus. Dort können Maßnahmen für den Notfall geprobt werden, wie organisiere ich den Transport von verletzten Pferden, nach deren Erstversorgung mit einfachsten Mitteln. Wie verhält sich die Gruppe bei gestürztem Reiter und ähnlichen Dingen. Zudem wird Wissen zu giftigen und geschützten Pflanzen, Jagd- und Schonzeiten und zum Landschaftsgesetzen vermittelt. Ausrüstung, Reitlehre und Regeln zum Reiten in der Gruppe werden theoretisch und praktisch erlernt. Eigentlich ein MUSS für jeden Buschreiter 😉

So ich bin mal raus und genieße die Stoppelfelder ( die Erlaubnis fürs Bereiten habe ich mir natürlich vorher geholt)

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Pferdepflege

Derzeit stecken unsere Lieblinge noch im Fellwechsel. Die Eingedeckten und Geschorenen können sich wahrscheinlich schon ganz vom Winterfell befreit fühlen während die robusteren Rassen und die älteren Tier noch einen Teil ihres Winterpullis tragen. Doch wie bekomme am Besten wieder Glanz und Pflege in das oft struppige Übergangsfellkleid?
Hier sind ein paar der gängigsten Bürsten, Striegel, Kardätschen usw. abgebildet.

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Doch welches Teil eignet sich tatsächlich für welchen Teil des Pferdekörpers am Besten und welches Putzzeug kann man weglassen?
Die Reitsportindustrie hat die Bequemlichkeit der Reiter schon lange für sich und ihre Produktvielfalt entdeckt.
Doch sind die bunten Bürstchen, Kämmchen und Striegelchen tatsächlich der guten alten Chinaborste und dem Eisenstriegel überlegen?

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Braucht man tatsächlich mehr Putzzeug als die Basisausstattung bestehend aus: Eisenstriegel, Kardätsche, Wurzelbürste, Mähnenkamm und Hufkratzer?

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Ergänzt man die Auswahl noch um ein Handtuch und einen Gummistriegel so bildet das den Inhalt meines Putzkoffers wieder.
So verschieden das Putzzeug auch ist, groß, klein, mit Stil oder bunt so ist es doch wie alles im Leben eine Geschmackssache womit ich am Besten klar komme.
Denn eine Bürste die so unhandlich ist, dass man Krämpfe in der Hand hat bevor das Pferd sauber ist taugt genauso wenig wie der hippe Striegel der einfach dem Pferdekörper kein Haar abgewinnen kann.

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Wichtig und nicht zu unterschätzen ist egal welche Bürste oder Striegel ich verwende, ich immer auf Hygiene achten muss.
Am Besten für jedes Pferd ein eigenes Sortiment Putzzeug und klar definierte Putzbereiche für die jeweilige Auswahl.
Das am Kopf und den empfindlichen Teilen der Beine, da wo sich das Fell unmittelbar über die Knochen schmiegt, nicht gerade der Eisenstriegel zum Einsatz kommen sollte ist klar.
Aber auch die noch so weiche Bürste wird den Schmutz von beschlammten Beinen kaum entfernen können.
So gelten die alten Regeln nach wie vor: die großem Flächen werden mit einem Eisen oder Platik- Gummistriegel mit kreisenden Bewegungen aufgeraut.
Das Ausschlagen der Striegel erfolgt wie zu Großvaterszeiten auf der Stallgasse. Früher galt die Regel erst der ist mit Putzen fertig der mit den Striegelausschlägen den Namen des Pferdes auf die Stallgasse klopfen kann. Damals war es einfacher denn die meisten Pferde hießen noch Max, Moritz, Dora oder Mary. Heute wären eindeutig schmutzigere Pferde nötig um den Namen zusammen zu bekommen.
Nach dem Striegel kommt das Abbürsten des aufgerauten Dreck. Auch hier beginnt man wieder am Hals und arbeitet sich langsam von oben nach unten und weiter nach hinten vor. Die weichere Bürste Kadetsche genannt wird dabei ausschließlich in Fellrichtung eingesetzt. Das Abstreifen am Striegel zwischendurch nicht vergessen, damit kann man die letzten Namenszusätze sicher stellen.
Der Kopf wird ausschließlich mit einer weichen Bürste gereinigt. Sollten das Pferd dies nicht so sehr mögen käme das Handtuch zum Einsatz.
Die Beine werden mit einer Wurzelbürste gereinigt, in Fellrichtung. Wichtig ist die Reinhaltung der Fesselbeuge um Erkrankungen wie Mauke rechtzeitig zu entdecken und vorzubeugen.
Danach werden die Hufe gereinigt. Wichtig hierbei die Strahlfurchen, bei unbeschlagenen Pferden sollte man zudem darauf achten, dass sich nirgendwo kleine Steinchen in den Huf eindrücken.
Wenn all dies erledigt ist kann man noch mit dem Handtuch die letzten Staubkörnchen abwischen.
Bleiben nur noch die Langhaare, Schweif verlesen und Mähne bürsten. Von Sprays die den Glanz des Pferdes erhöhen oder dem Auftragen von Fetten insbesondere an den Hufen rate ich meist ab. Sie dienen eigentlich nur der Pferdesportindustrie. Meine Pferde kommen die letzten 30 Jahre bei mir gut ohne derartige Mittel aus. Trockene Hufe regernieren sich in nassem Gras oder in Matsche sehr gut. Sie müssend danach nur wieder gut gereinigt werden. Das regelmässige abbürsten unter dem Wasserschlauch bringt meist mehr Elastizität in den Huf zurück als die teuren Hufpflegeprodukte. Oder habt Ihr schon mal wild lebende Mustangs in trockenen Gegenden sich über die besten Pflegeprodukte gegen trockene Hufe unterhalten hören. Die stellen sich zwei Stunden in einen Fluß und gut ist.

Wozu dient aber das Putzen noch? Erstens ich lerne mein Pferd gut kennen. Wie verhält es sich ist es aufmerksam, unruhig oder eher gelassen und träge?
Ich kann das Pferd gleichzeitig auf Verletzungen oder Infektionen untersuchen. Tränende Augen, Schnoddernase, Pilzinfektionen etc. findet man bei einer gründlichen Putzaktion sehr schnell und kann direkt handeln.
Auch Krankheiten die mit Schlappheit, Bauchweh, Blähungen vermehrter Schweißbildung oder Ausschlag einher gehen lassen sich ohne viel Aufwand schnell entdecken.
Gerade wenn ich den Verdacht habe dass mein Pferd ein leicht gestörtes Immunsystem hat ist Hygiene das A und O insbesondere was das Putzzeug angeht.
Bürsten und Striegel müssen auch regelmäßig gereinigt werden, ggf. auch desinfiziert. Da würde ich sogar die Bürsten penibel von einander für die Körperbereiche trennen.
Stellt Euch vor ihr habt ein Pferd mit einer Pilzinfektion an den Beinen : Würdet ihr mit der Bürste von den Beinen tatsächlich auch groben Schmutz an Hals und Kopf entfernen?
Doch wie säuber ich ein Pferd mit z.B. infektiösen Hautkrankheiten. 1 Bürste für den infizierten Bereich und sonst nirgendwo anders einsetzen. Nach dem Gebrauch sofort bevor die Bürste sich wieder im dunkeln warmen Köfferchen an die anderen Bürsten kuschelt und die Pilzsporen sich lustig vermehren können, desinfizieren. Gründlich frei nach dem alten Laborantensatz viel hilft viel. Am besten eignen sich Hygienesprays in ansprechender Menge aufgetragen und einige Zeit einwirken lassen.
Früher hieß es immer es müssten Schwämmchen eins für vorne eins für hinten im Putzkasten sein. Erstens putzt ihr Euch die Nase mit einem feuchten Schwamm mit dem Ihr danach Euch die Augen auswischt? Alles damit die Bakterien schön verteilt werden und dann in dem feuchten Schwämmchen ein gemütliche zu Hause finden und sich dort prächtig vermehren können um richtige Bindehautentzündungen hervor zu rufen. Das gleiche gilt für hinten erst den A… feucht wischen danach Euter oder Schlauch? So steril kriegt ihr die Schwämmchen nicht, dass es nicht u.U. zu einer Schmierinfektion kommt.
Ich bevorzuge fusselfreie Einweglappen. Nase ausputzen und weg damit, Auge abwischen und weg. Das gleiche gilt für hinten, obwohl ich das am liebsten am Wasserschlauch unter fließendem Wasser erledige. Wichtig ist immer zu bedenken, dass die Tiere ihre eigne Auffassung von Sauberkeit haben. Man nehme ein Schlammbad, läßt es antrocknen sind so vor Stechinsekten geschützt und schubbel dann den Dreck unter Umständen wieder am Baum ab. Fertig. Deshalb bedenke immer: Hygiene ist wenn man sich mehr wäscht als nötig!

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Lernen durch Erleben

Heute möchte ich von einem Projekt berichten, dass mich selbst tief bewegt hat und auch vielleicht andere zum Nachdenken anhält.
Der Reitverein Dortmund-Kirchlinde e.V. hat in Zusammenarbeit mit dem Städtisches Institut für erzieherische Hilfen, welches Erziehungswohngruppen für traumatisierte Kinder unterhält, eine Ferienfreizeit unter meiner Leitung durchgeführt. Alle Kinder die an dieser Ferienfreizeit teilnahmen ist es nicht mehr möglich in ihrer eigenen Familie zu wohnen. Bedingt durch frühkindliche Erlebnisse hat jedes dieser Kinder ein eigenes Schicksal zu tragen. Die frühe Verwundung der Seele machte sich bei jedem Jugendlichen auf eine andere Art im Verhalten bemerkbar. Was als „einfacher“ Ferienlehrgang geplant war, hat bei mir sehr nachhaltige Spuren hinterlassen.
Herr Rainer Kahl, Generalvertretung Allianz Versicherungen, hatte den Lehrgang initiiert. Er hat sich auch sehr dafür eingesetzt, dass die Stiftung „Allianz für die Jugend e.V.“ die Kosten für den Ferienlehrgang übernimmt. Er war es auch, der zum Jugendamt der Stadt Dortmund den Kontakt aufgenommen hat. Das Jugendamt bekundete sofort Interesse an diesem Versuchsballon. Der Reitverein Dortmund Kirchlinde e.V. stellte die Räumlichkeiten als auch die Pferde zur Verfügung.
Hier das Konzept hinter dem Lehrgang:

Pferde sind sehr soziale und freundliche Wesen, die auch so untereinander kommunizieren. Von dieser Art der Kommunikation können wir Menschen viel lernen. So ist es gerade Kindern und Jugendlichen möglich, unter Einsatz eines Pferdes als Medium, eigene Fähigkeiten zu aktivieren und selbstwirksam zu erleben. Interaktionen und Beziehungen zwischen Mensch und Pferd können einen positiven Einfluss auf Entwicklung, Befinden und Verhalten vorantreiben. So ist z.B. der Umgang mit dem Tier eine Möglichkeit das Konfliktverhalten langfristig positiv zu beeinflussen.
Weitere wissenschaftlich belegte Effekte sind:

• Förderung der Konzentration
• Entwicklung von Verantwortungsgefühl
• Förderung psychosozialer Kompetenzen
• Anerkennung der Grenzen Anderer
• Meistern von neuen Herausforderungen
• Verstärkte Wahrnehmung der Sinne
• Erkennen der eigenen Bedürfnisse
• Selbstbewusstsein stärken
• Vertrauen aufbauen
• Freude an Bewegung
• Aktiv sein in der Natur
• Spaß
• Quelle für Ruhe und Geborgenheit
• REITEN
Der gesamte Lehrgang findet unter dem Motto:
„Lernen durch Erleben“
statt. Das Reiten lernen ist zwar Bestandteil des Lehrganges, steht aber nicht im Vordergrund. Der artgerechte sichere Umgang mit dem Tier soll vermittelt werden. Dazu gehört auch Wissen über die Verhaltensweisen der Vierbeiner, die mit den Teilnehmern theoretisch und praktisch erarbeitet werden.

Das ist die Theorie hinter diesem Projekt, was sich tatsächlich innerhalb der Woche veränderte … konnte man nur spüren.
Sehr extrovertierte Kinder wurden langsam ruhiger. Schüchterne und in sich Gekehrte öffneten sich langsam. Denn Pferde spiegeln den Menschen, der mit ihnen umgeht. Pferde lesen primär Körpersprache, denn nur sie ermöglicht dem Fluchttier die Möglichkeit schnell zu entscheiden ob Gefahr im Verzug ist oder nicht. So werden Personen die mit Pferden umgehen darauf geschult, bewußt und unbewußt, eine eindeutige Körperhaltung anzunehmen. So wurden auch die Kinder dazu angehalten ihre Kommunikation auf eine für das Pferd verständliche Art und Weise abzustimmen. Da die Veränderung der Verhaltensweisen „nur für das Pferd“ erfolgte, wurden die Lehrgangsteilnehmer für ihr Auftreten sensibilisiert.
Es gab einige Gänsehautmomente, die daraus resultierten, die mir in Erinnerung bleiben werden. Einer davon ist, dass ich sehen konnten wie aus unsicheren, versteinerten Gesichtern auf einmal das unbeschwerte Kinderlachen herausbrach.

Wenn die Presseartikel und weitere Fotos vom Lehrgang vorhanden sind werde ich sie hier veröffentlichen

Mein Dank gilt:
Herrn Rainer Kahl für das persönliche Engagement für dieses Projekt
Dem Reitverein Dortmund Kirchlinde e.V. insbesondere dem Vorstand der voll hinter dem Projekt stand
Frau Johanna Winter die sich die ganze Woche mit um die Kinder gekümmert hat und von allen Lehrgangsteilnehmern für ihren Einsatz geliebt wurde
Frau Vahrenkamp für die gute Verpflegung
Der Stiftung Allianz für die Jugend e.V. für die Finanzierung des Lehrgangs
Und nicht zuletzt den Pferden des Vereins, die den Kindern ihre Kommunikation näher gebracht haben.

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Reitabzeichen 9 RA 9

Reitabzeichen 9 (RA 9)

Wer darf teilnehmen?

  • Kinder
  • Jugendliche
  • Erwachsene

die an dem Vorbereitungslehrgang teilgenommen haben.

Welche Ausrüstung benötigt der Reiter?

  • Reitkappe
  • Handschuhe
  • Reitstiefel oder knöchelhohe Schuhe mit Absatz (Jodphurstiefelette)
  • Hose
  • (keine Turnierbekleidung erforderlich)

Welche Ausrüstung benötigt das Pferd?

  • Ausrüstung analog §70 LPO
  • Hilfszügel gemäß § 70.D LPO sind zugelassen
  • Bandagen / Gamaschen erlaubt

In Abstimmung mit dem Lehrgangsleiter können in begründeten Fällen Ausnahmen genehmigt werden.

Was muss ich können?

Die Prüfung zum RA 9 gliedert sich in 2. Teilprüfungen:
1. praktisches Reiten
2. Stationsprüfung (drei Stationen)

 

1. praktisches Reiten

5 min Reiten in der Gruppe (max. 4 Reiter)  in allen drei Grundgangarten.
Schritt-Trab-Galopp
im Trab leichttraben und aussitzen.
Galopp- wenn möglich Einzelgalopp
Die Prüfung sollte in einer Reithalle oder einem eingezäunten Reitplatz stattfinden
Die Reiter reiten durcheinander auf einer Hand nach Weisung des Ausbilders
Freiwillig kann eine 2. Teilprüfung Geländereiten abgelegt werden.
Diese dürfte auch als gesonderte Prüfung an einem anderen Tag stattfinden.
Geritten wird im Außengelände in den Grundgangarten (einzeln oder hintereinander oder nebeneinander)
Bergauf -bergab reiten sowie über verschiedene Untergründe wie z.B. Wiese-Sand wären wünschenswert.

 

2.Stationsprüfung

1.Station Stallgasse mit Pferd:

Vorbereitung des Pferdes zum Reiten

  • Pflege
  • Mithilfe beim Satteln
  • Mithilfe beim  Zäumen
  • Einstellen des Bügelmaßes

Ort: Stallgasse, angebundenes Pferd/Pony, Putzzeug, Sattel, Trense

2. Station Stallgasse mit Pferd oder Pferde auf der Weide:
  • Pferdeverhalten
  • Ethische Grundsätze (1×9 Poster)

 

3. Station Stallgasse oder Box:
  • Inhalte RA 10
  • geradeaus Führen von beiden Seiten, bewertet wird ob der Prüfung das Pferd von beiden Seiten sicher führen kann. Auch ob er mit der ungewohnten Seite korrekte Befehle ausführen kann. Der Seitenwechsel wird im Halten vollzogen.
  • Angebundene Pferde weichen lassen. Der Prüfling soll das Pferd um die Vorhand wenden lassen. Stimme, Berührung an der Seite des Pferdes oder am Kopf (Halfter) herumführen sind gestattet
  • Sicherheit auf der Stallgasse
  • Passieren anderer Pferde. Der Prüfling soll sein angebundenes Pferd so sichern, dass ein weiterer Reiter passieren kann. Oder zwei geführte Pferde begegnen sich auf  der Stallgasse und die Prüflinge können sicher an einander vorbei führen.

Ausrüstung analog zum RA 10 (Trense zum Führen ist erlaubt, jedoch nicht zum Anbinden)

Wer darf die Prüfung abnehmen?

Trainer C mit gültiger DOSB Lizenz oder BLSV Lizenz
Bereiter klassische Reitausbildung mit gültiger DOSB Lizenz oder BBR Fortbildung
Pferdewirtschaftsmeister Teilbereich Reitausbildung
Richter Reiten
Richter Breitensport Reiten

 

Was wird bewertet?

1. Teilprüfung:
Der ausbalancierte und losgelassene Sitz
2. Teilprüfung:

Vertrauen zum Pferd/Pony

Sicherheit im Umgang

Das Ergebnis lautet bestanden oder nicht bestanden
Beim Nichtbestehen, ist die gesamte Prüfung zu wiederholen. Die Nachprüfung darf beim nächstmöglichen Termin wiederholt werden.
Das RA 10 kann jährlich neu erworben werden
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Turnierreiten – eine Betrachtung

Turnierreiten

Eine kleine Betrachtung der Ausführung von Lektionen.
Am Samstag abend war ich in der Dortmunder Westfalenhalle um mir einen Grand Prix anzusehen.
Neben einem sehr geringen Starterfeld (8 Reiter) war eine Tatsache sehr auffällig: Die Sauberkeit der Hufschlagfiguren.
Nicht dass ich mir jetzt anmaßen w ürde über die Ausführung der 1 Wechsel zu schreiben, viel mehr waren die Lektionen „Ganze Bahn und Halten“ auffällig Interpretationswürdig.
In jeder E bis L- Dressur hätte ich das Halten, der gesehenen Paare, zur Grußaufstellung folgender Maßen kommentiert: „Kein klares Halten erkennbar!“
Einer einzigen Reiterin ist es gelungen tatsächlich länger als 3 Sekunden zu halten. Bei allen anderen waren beide Grußaufstellung verwischt. Ichsehe ein, dass ein Pferd welches einen Grand Prix mit Ausdruck laufen soll, auf dem Abreiteplatz frisch gemacht wird um sich in Verstärkungen und den versammelten Tempi entsprechend ausdrucksvoll zu präsentieren, aber dennoch ist Halten auch eine Lektion. Auch dafür steht vorne im Aufgabenheft eine eindeutige Formulierung wie es genau aus zu sehen hat. „Das Pferd kommt zum unbeweglichen Stehen und ruht geschlossen auf alle vier Hufen, optisch soll der Eindruck erhalten bleiben, dass das Pferd sich noch im vorwärts befindet.“

Schade dass nicht mehr Wert darauf gelegt wird. Ich habe gelernt, dass die erste Grußaufstellung die Visitenkarte der Prüfung ist. Das ist dann wie im richtigen Leben: „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance!“ Ich finde es schwierig meine Reitschüler davon zu überzeugen wie wichtig ein klares Halten ist, wenn es so hohen Prüfungen vorgeritten wird und so im Fernsehen zu sehen ist. Auch diesen reitern darf ein Fehler unterlaufen, dafür sind es immer noch Pferde, keine Maschinen. Aber das hatte nichts mehr mit Fehler zu tun sondern es wurde einfach so hingenommen. Richtig anmahnen muss man jedoch die relativ hohe Bewertung. Durch die Just in Time Anzeige der vergebenen Wertnoten wird der Dressursport sehr transparent. Die Lektion Halten die dort zu sehen waren, würden  auf einem ländlichen Turnier mit 3 oder 4 Punkten bewertet  werden. Dort gab es immer noch eine 6. Das Unverständnis meiner Reitschüler verstehe ich voll und ganz. Kein Kollege würde auf einem ländlichen Turnier in einer L** oder M Dressur da eine 6 vor schreiben wenn die Hinterhand hinten heraus steht und das halten zeitmässig gerade mal zum Nicken genügt, weil das Pferd schon los möchte.

Doch wie reite ich ein gutes Halten?
Auch hier ist die Vorbereitung wieder alles. Das Pferd wird in der Arbeitsphase vermehrt durch halbe Paraden zum Herantreten an die Hand animiert. Erst innerhalb einer Gangart z.B. im Trab oder Galopp.
Gelingen dann durchlässige und geschmeidige Übergänge zum Schritt  kann mit dem Üben des Haltens begonnen werden. Sollten diese zunächst noch undurchlässig sein, empfehle ich wieder einen Schritt zurück zu gehen. Das auf die Vorhandfallen oder im Übergang auf die Hand kommen, muss unterbunden werden. Beides sind Zeichen, dass das Pferd sich  noch nicht genügend unter dem Schwerpunkt des Reiters bewegt. Auch beim Halten sollte immer der Eindruck beim Zuschauer gewonnen werden, dass es sich um eine Hinterhufbremse handelt.
Da das Halten bereits in meiner App: Reitschule 1 viel Raum einnimmt möchte ich an dieser Stelle auf die dort eingestellten Videos verweisen.

https://play.google.com/store/apps/details?id=de.equipsh.rs1

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Bauch Beine Po für Ponies

Aufbau einer Reitstunde

Startup für die Serie Bauch Beine Po für Ponies

 

Was ist das denn?

Das ist ein Programm oder besser eine Reihe von Übungen für die Verbesserung der Rittigkeit des Pferdes. Schöner Nebeneffekt ist, dass die Pferde und Ponies mehr Kraft und somit auch mehr Muskeln aufbauen. Ich werde mit der Schilderung von Übungen im E-A Bereich starten. Für jemanden der L Dressur und höher reitet, können diese Übungen durchaus auch der Schlüssel zu bisher unüberwindbaren Lektionen sein. Im Laufe der Serie und je nach Schwierigkeitsgrad kommen dann vermehrt Videos zur Demonstration zum Einsatz. Meine Reitschüler wissen, dass ich diverse Übungsreihen gerne zur Entwicklung von höheren Lektionen verwende. Der Vorteil erst Vorübungen zu machen ist, dass die eigentlich gewünschten Lektion dann direkt vom Pferd angeboten wird und auch korrekt ausgeführt wird. Es ist wichtig die Vorübungen sehr sorgfältig und auch ein bisschen länger durch zu führen als es nötig erscheint. Erst wenn das Pferd eine gewisse Sicherheit erlangt hat und Vorübungen auch drei bis viermal gut reproduzierbar sind, sollte man weiter gehen. Einen Fehler den man häufig in Reithallen sieht, ist ein zu schnelles Beginnen mit Lektionen die in der Ausführung Reiter und Pferd überfordern.

Hier ein Beispiel:

Erarbeitung eines einfachen Galoppwechsels. Ich kann im Arbeitstempo kreuz und quer durch die Halle reiten und versuchen zum Schritt durch zu parieren. Wenn man Glück hat pariert das Pferd auch, aber die Frage ist wie. Es fällt häufig auf die Vorhand, die Zwischenschritte sind unter Spannung, oder der Übergang ist über Trab. Solche Wechsel bekämen auf dem Turnier den Kommentar: Misslungen und damit keine Wertnote über 5. Meine Bauch Beine Po Methode würde sich vorher nur mit Übergängen beschäftigen. Trab-Schritt, Schritt-Trab usw. so lange bis das Pferd den Übergang gut von alleine anbietet, danach käme Trab-Halten, solange bis das bloße Anspannen der Reiterpobacken das Pferd dazu bringt an zu halten. Anschließend kämen Trab-Galopp Übergänge, auch wieder so lange bis Minimalhilfen reichen. Danach würde die Hufschlagfigur verändert, so lange bis das Pferd in der Lage ist, sich im Galopp vermehrt zu setzen, erst dann kommen die ersten Versuche zum Schritt durch zu parieren. Dieser ganze Prozeß kann 1 oder 10 Reitstunden dauern, es kommt auf die Kombi Pferd-Reiter an. Wenn dann aber die ersten einfachen Wechsel geritten werden sind die Reiter meist überrascht wie leicht es geht. Dies ist ist im Übrigen auch für das Pferd eine sehr schonende Methode, da das Pferd bestimmt wie lange was geübt wird. Aber das soll nun erst einmal zum einfachen Wechsel reichen. Heute nehmen wir uns das korrekte Lösen vor. Nur wie löst man ein Pferd korrekt? Lösen heißt ja in der Reitersprache locker machen zur Losgelassenheit kommen. Nun gibt es von Natur aus tief entspannte Tiere aber auch die, die hektisch elektrisch vom Ecktisch kommen. Beide sollen locker nach vorne geritten werden bis der Reiter das Gefühl hat, aussitzen zu können um in die Arbeitsphase über zu gehen.

Nun zunächst etwas Theorie: Wie ist eine Reitstunde aufgebaut?

1. Lösungsphase

Schritt reiten mindestens 15min. Warum so lange? Ein Pferd ist ein Lauftier, dass heißt der Organismus ist daraufausgelegt sich möglichst viel zu bewegen. Da die Pferdehaltung in unseren Breiten sich meist auf kombinierte Boxen-Weidehaltung beschränkt ist, muss durch ausgiebiges Schritt reiten sicher gestellt werden, dass die Beine der Tiere ausreichend durchblutet und die Gelenke genügend geschmiert werden. Dies erfolgt beim Pferd erst nach 12-15 min. Man könnte das Pferd auch in eine Führanlage oder auf ein Laufband stellen und dort schon einmal Schritt gehen lassen. Dies ist sicherlich gut wenn ich mehrere Pferd zu reiten habe oder Zeit überbrücken muss wenn die Halle noch belegt ist o.ä. Aber bedenkt bitte nicht nur das Pferd treibt Sport ihr auch und ein Reiter der schon eine viertel Stunde Schritt geritten ist, ist im Becken und im Rücken beweglicher als jemand der aufsteigt und direkt lostrabt. Ich bin schon immer ein Verfechter von Aufwärmtraining für Reiter gewesen. Leider werden vor der Reitstunde turnende Reiter immer noch belächelt. (Kommt Ihr mal alle in mein Alter, dann grinst keiner mehr)

2. Lösungsphase

Leichttraben und Galoppieren Ich empfehle lockeres Traben in leichter Vorwärts Abwärts Neigung, bis spürbar ist dass das Pferd anfängt zu schwingen. Bei dem einen Tier kann sich das nach 5 min einstellen der nächste benötigt 45min. Wie so lange leichttraben, ja klar warum nicht? Ist Euch das die Gesundheit Eures Pferdes nicht wert? Erst wenn sich der Rücken aufwölbt und der Trapezmuskel Euch tatsächlich tragen kann ist die Lösungsphase beendet. Es gibt durchaus Pferde die sich im Galopp besser lösen, die sollte man dann auch vermehrt im Galopp lösen, sonst kann man bis zum St. Nimmerleinstag leichttraben. Ich hatte mal so ein Pferd, der Kommentar von meinem Reitlehrer lautete: Du trabt eine Runde rechts rum eine Runde links rum um zu gucken ob er lahmt danach galoppierst Du an. Dieses Pferd war nach 8-10min Galopparbeit zu sitzen wie ein Sofa, für den gleichen Effekt im Trabe hätte ich gut 30 min benötigt. Zum korrekten „vorwärts-abwärts“ werde ich einen extra Artikel einstellen, denn dort werden die meisten Fehler gemacht, zu tief ist genauso schädlich wie zu hoch. Um die richtige Haltung zu erkennen und zu fühlen bedarf es etwas Übung.

3. Erste Arbeitsphase

Im ersten Teil der Arbeitsphase würde ich immer die Übungen wählen die schon recht gut klappen, aber noch einer kleinen Verbesserung bedürfen. So bieten sich hier immer Übergänge in der Gangart oder von Gangart zu Gangart an. Dabei kann es ganz günstig sein auch schon kleinere Wendungen, Volten, Zirkel verkleinern o.ä. zu reiten. Das Pferd wird so vermehrt dazu angeregt unter zu treten. So erreicht ihr schon sehr gut einen gewissen Grad an Durchlässigkeit. Wichtig ist nur nur nicht zu früh auf zu geben. Wenn die Parade zum Schritt nach dem 10 mal immer noch nicht gut ist, spricht nichts gegen die 12 oder 17. Wiederholung. Diejenigen die zweimal stehen bleiben nichts korrigieren und zur nächsten Übung eilen sind in der Regel nicht diejenigen die hinterher zufrieden vom Pferd steigen. Nicht die Vielfältigkeit der Übungen sondern die Korrektheit der Ausführung machen das durchlässige zufriedene und gesunde Pferd.

4. Zweite Arbeitsphase

In dieser Phase würde ich jetzt immer die neuen Aufgaben und Lektionen reiten. Denn erst wenn die ersten 3 Phasen der Reitstunde absolviert sind, wird eine neue Lektion oder die Verfeinerung einer bestehenden Lektion Sinn machen. Hier kann ich jetzt sukzessive mit meinem gelösten bereits rittigen Pferd beginnen etwas schwierigere Dinge zu reiten. Was ich zu dieser Zeit reite hängt vom Ausbildungsstand des Pferdes ab. Ich kann mir z.B. die Seitengänge erarbeiten, andere reiten in der 1. Lösungsphase bereits Schulterherein und Travers. Es kommt ganz auf Alter und Ausbildungsstand von Pferd und Reiter an. Für den 4. jährigen kann eine 10 m Volte hier schon eine fast unüberwindbare Hürde sein, für das M- fertige Pferd der Serienwechsel. Aber egal was ihr in dieser Zeit reitet bedenkt ein Pferd kann sich maximal 20 min konzentrieren. Habt ihr schon viel Konzentration im 2. und 3. Reitstundenviertel verbraucht verbleibt Euch hier kaum Zeit. Wenn ein Teil einer Reitstunde wegfallen kann, dann ist es dieser!

5. Auskühlphase

In dieser Phase soll das Pferd wieder zur Ruhe kommen, am Besten dann wenn die letzte geritten Lektion zufriedenstellend war. ( Als Schulnote ausgedrückt ca eine 3) Dann lasst die Zügel länger und galoppiert noch etwas vorwärts abwärts, oder trabt. Warum an dieser Stelle. Im Vorwärts-abwärts habe ich die maximale Aufwölbung im Rücken, bei gleichzeitiger Entspannung. So kann sich evtl. bei der Arbeit verkrampfte Muskulatur wieder lösen. Erst danach kann trocken geritten werden. Auch das würde ich selber machen und nicht das japsende Pferd in die Führanlage stellen, denn welchen Eindruck würde es auf Euch machen wenn Euer Chef das letzte aus Euch raus holt, um Euch dann ins Büro zurück zu schicken um alleine den Erfolg der Stunde zu feiern. Wer zusammen schwitzt darf auch zusammen trocken werden.

Ich hoffe das war nicht zu viel Theorie, aber ich bin der Meinung, dass man nur das gut umsetzen kann, was man auch verstanden hat. Deshalb werde ich wahrscheinlich häufiger auf diesen Beitrag verweisen. Konkrete Beispiele werden an Hand von Videos folgen.

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Reitabzeichen RA 10

Zum 01.01.2014 gab es eine Revision der APO (Ausbildungsprüfungsordnung) der FN. Die Deutschen Reitabzeichen erfuhren auch viele Neuerungen, deshalb wird es an dieser Stelle eine Serie zum Thema Reitabzeichen geben. Aus Foren und Fragen die mich als Ausbilderin und Richterin erreichen, weiß ich wie groß zum Teil die Verunsicherung ist.
Da es noch schwierig ist durch die Neuerung durchzublicken, schwirren reichlich falsche Behauptungen zu den Anforderungen an eine solche Prüfung durchs Netz. Ich möchte hier gerne einige Irrtümer ausräumen und Euch näher bringen was tatsächlich gefordert wird.
Die Motivationsabzeichen  wie Steckenpferd, kleines großes Hufeisen oder die Reiternadel hat man jetzt mit den alten Reitabzeichen, die für den Einstieg in den Turniersport relevant sind,  in einer Systematik zusammen gefasst.Ab diesem Jahr spricht man von den Reitabzeichen 1-10. 10 ist dabei das mit den niedrigsten Ansprüchen, 1 das mit den Höchsten.
Es sind neue Reitabzeichen hinzu gekommen, so gibt es eine Zwischenstufe die zwischen das alte DRA III und DRAII eingefügt wurde. Eine kleine Besonderheit die den Basispass betrifft gibt es auch noch, aber darauf werde ich an entsprechender Stelle ausführlich eingehen.
Bitte habt Verständnis dafür, dass ich zunächst nur die Reitabzeichen besprechen werde. Reitabzeichen Bodenarbeit sowie Longierabzeichen werden im Anschluß betrachtet. Da ich von Voltigieren und Fahren wenig Ahnung habe, möchte ich diese Abzeichen zunächst aussparen.

 

Das Reitabzeichen 10 RA 10

 

Wer darf teilnehmen?

Kinder
Jugendliche
Erwachsene
die einen Vorbereitungslehrgang zum RA 10 besucht haben.

 

Welche Ausrüstung  benötigt der Reiter?

Reitkappe
Handschuhe
Reitstiefel oder knöchelhohe Schuhe mit Absatz (Jodphurstiefelette)
Hose
(keine Turnierbekleidung erforderlich)

 

Welche Ausrüstung benötigt das Pferd?

Es darf mit oder ohne Sattel geritten werden!
Ein Gurt wäre anstelle eines Sattels ist zulässig!
Trense
Hilfszügel s. LPO §70.D sind zugelassen (nicht vorgeschrieben)
Gamaschen und Bandagen erlaubt

 

Was muss ich können?

Die Prüfung zum RA 10 gliedert sich in 2. Teilprüfungen:
1. praktisches Reiten
2. Stationsprüfung (zwei Stationen)

 

1. praktisches Reiten

5 min Reiten entweder:
an der Longe
oder in der Gruppe bis zu 4 Reiter hintereinander.
Geritten wird im Schritt und im Trab, im Trab leichttraben und / oder aussitzen.
(es empfiehlt sich beides zu können)
Die Prüfung sollte in einer Reithalle oder einem eingezäunten Reitplatz stattfinden
Freiwillig kann eine 2. Teilprüfung Geländereiten abgelegt werden.
Diese dürfte auch als gesonderte Prüfung an einem anderen Tag stattfinden.
Geritten wird im Außengelände am Führzügel in Schritt und Trab.
Bergauf -bergab reiten sowie über verschiedne Untergründe wie z.B. Wiese-Sand wären wünschenswert.

 

2.Stationsprüfung

1.Station Stallgasse mit Pferd:
  • Pferdepflege vor dem Reiten, wie putze ich ein Pferd / Pony inkl. Hufpflege und Langhaarpflege.
  • Pferdepflege nach dem Reiten, Versorgung des Pferdes/ Ponys, was mache ich mit schwitzenden Pferden?Welche Pflege benötigen die Hufe? etc.
  • Hilfestellung beim Satteln und Trensen. Erklärung des Ablaufes von Trensen und Satteln
  • Kenntniss über Sattel, Trense, Putzzeug
2. Station Stallgasse oder Box:
  • Bodenarbeit – wie spreche ich ein Pferd an? wie führe ich ein Pferd? Wie komme ich mit einem Pferd an einem bestimmten Punkt zu halten? Wie binde ich ein Pferd an? Wie ziehe ich ein Halfter an und aus? (Knotenhalfter zulässig, jedoch nicht zum Anbinden) Welche Besonderheiten hat ein Führstrick?
  • Sicherheit auf der Stallgasse- Wie verhalte ich mich auf  der Stallgasse? Was beeinflußt die Sicherheit auf der Stallgasse? Ausrüstung festes Schuhwerk zum Führen ggf. Handschuhe

 

Wer darf die Prüfung abnehmen?

Trainer C mit gültiger DOSB Lizenz oder BLSV Lizenz
Bereiter klassische Reitausbildung mit gültiger DOSB Lizenz oder BBR Fortbildung
Pferdewirtschaftsmeister Teilbereich Reitausbildung
Richter Reiten
Richter Breitensport Reiten

 

Was wird bewertet?

1. Teilprüfung:
Der ausbalancierte und losgelassene Sitz
2. Teilprüfung:
Ein Prüfling nähert sich dem Pferd-bewertet wird wie er es macht.
Das Halfter wird aufgezogen- wie stellt sich der Prüfling dabei an, wo steht er, wie reagiert das Pferd auf ihn?
Das Pferd soll geführt werden- wie macht der Prüfling das – nimmt er den Strick in die rechte Hand und das Ende des Strickes in die Linke?
Führen- befindet sich der Prüfling zwischen Schulter und Pferdekopf?
Halten- reagiert das Pferd auf den Prüfling und kommt zum Halten? Ist der Prüfling in der Lage die Hilfen so zu verstärken, dass das Pferd auf ihn hört? (2. Hand, Stimme, Gerte)
Anbinden- beherrscht der Prüfling den Sicherheitsknoten? Ist der Anbindestrick zu kurz oder zu lang? Kennt der Prüfling die Risiken des zu kurzen zu langen Anbindens? Wie bindet er an zwei Stricken in der Stallgasse an?
Sicherheitsaspekte- erkennt der Prüfling Sicherheitsrisiken z.B. durch herumstehende Gegenstände, offene Türen etc.?

 

Das Ergebnis lautet bestanden oder nicht bestanden
Beim Nichtbestehen, ist die gesamte Prüfung zu wiederholen. Die Nachprüfung darf beim nächstmöglichen Termin wiederholt werden.
Das RA 10 kann jährlich neu erworben werden
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Reitlehrer gesucht?!

Reitlehrer gesucht?!

Egal ob man schon erfahrener Reiter oder Anfänger ist, immer wieder taucht die Frage auf: Wie finde ich einen guten Reitlehrer?

Eine einfache Frage, aber ein schwieriger Sachverhalt. Gerade Anfänger wissen oft nicht wie und wonach sie suchen sollen. Im Zweifelsfall hilft unser Freund Google und spukt bereitwillig Hochglanzinternetauftritte aus. Doch gibt die jeweilige Internetpräsenz wirklich das wieder, was ich suche?
Zum Thema Reitlehrer ist grundsätzlich folgendes zu sagen:

Der Beruf und der Titel Reitlehrer ist kein geschützter Begriff!

Jeder kann sich so betiteln ohne je ein Pferd aus der Nähe gesehen zu haben.
Es gibt seitens der FN mehrere Formen der Ausbildung die auch das Unterrichten von Reitschülern einschließt. Da ist zum einen der „Bereiter klassische Reitausbildung“ der seine Ausbildung mit einer Abschlussprüfung auf L-Niveau in Dressur und Springen absolviert. Darüber hinaus gibt es den Pferdewirtschaftsmeister der in Dressur und Springen bis M geprüft wird. Der Titel Reitmeister wird an besonders erfolgreiche Ausbilder verliehen. Weiterhin gibt es den großen Bereich der Trainerausbildung im Basis- und Leistungssport. C ist hier die niedrigste Stufe und A mit Zusatzqualifikation (Unterrichtserteilung auf M und S Niveau) die höchste. Zudem gibt es verschiedenste Verbände und Vereine die auch Qualifikationen, Zertifikate und Ausbildungen in Richtung Unterrichtsbefähigung anbieten. Da ich nicht auf die einzelnen Varianzen der Ausbildung der Reitlehrer eingehen möchte spreche ich im folgenden von „dem Reitlehrer“, schließe dabei natürlich auch alle Reitlehrerinnen mit ein. Wir sind eh in der Überzahl!  😉

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man Unterrichten eigentlich erst so richtig im Laufe der Zeit lernt. Es ist ähnlich wie beim Führerschein, man darf zwar fahren aber geschmeidig und sicher fühlt sich anders an. Ich bin der Meinung, dass man als Ausbilder auch seinen eigenen Stil entwickeln muss und das bedarf Zeit, Erfahrung und den Willen sich kontinuierlich weiter zu bilden. Die Zeiten von gebrülltem „Absatz runter und Bauch raus“ sind schon lange vorbei. Die Reitschüler von heute möchten gerne erfahren warum der Absatz tief und der Bauch raus soll. Zudem soll dies in einer angemessenen Art vorgetragen und formuliert werden. Das bedeutet wiederum nicht, dass in der Reithalle nur esoterische Klänge gewünscht sind.
Die in letzter Zeit sehr modern gewordenen Aussagen: „ich bilde nach….. aus“, lassen meine Nackenhaare auferstehen. Es gibt nämlich nur eine Methode nach der man Pferde ausbilden kann, einer die der Anatomie, dem Charakter und Leistungsfähigkeit von Pferd und auch vom Reiter entspricht! Ziel einer jeden Ausbildung sollte es sein, dass das Pferd in die Lage versetzt wird langfristig frei von Schäden an Sehnen, Muskel, Bändern und Skelett zu bleiben. Um dies zu gewährleisten ist es wichtiger das der Ausbilder Ahnung von der funktionalen Anatomie von Pferd und Reiter hat und erkennt wo er ansetzen muss. Es gibt nämlich keine Methode x für dieses und Methode y für jenes Problem, dafür gibt es zu viele Eventualitäten. Aber wer kann mir da helfen? Der Reitlehrer! Nur wie sollte der Aussehen?

 

Hier eine Fahndungsbeschreibung:

Wanted HB1

1. Er oder meist sie sollte ein offenes freundliches Wesen besitzen, das Stimmungen und Befindlichkeiten von Pferd und Reiter aufnimmt und in den Unterricht integriert. Klingt kompliziert ist es aber nicht, hier ein Beispiel: Der Reiter ist ängstlich weil das Pferd bockt, durchgeht oder der Reiter kurz vorher eine Bodenprobe genommen hat. Aufgabe wäre es jetzt dem Reiter ein gutes sicheres Gefühl zu vermitteln. Wie geht das, die Stimme des Reitlehrers wird ruhiger, gelassener er gibt Anweisungen von denen er weis, dass Reiter und Pferd diese ohne viel Mühe absolvieren können, z.B. mehrere Gangartwechsel von Schritt zum Trab und umgekehrt. Diese sollten zwanglos und zur Hilfenahme der Atmung des Reiters erfolgen. Tiefes Einatmen beim Antraben bei gleichzeitiger Entspannung der Schulter und Armmuskulatur und ganz tiefem Ausatmen beim Durchparieren zum Schritt. Diese Übung beruhigt den Reiter und gibt ihm das Gefühl wieder Kontrolle über sich und nicht zuletzt über das Pferd zu erlangen. Geschrei und lautes agressives Aufforderen seitens des Reitlehrers wären hier völlig fehl am Platze, da die Verspannung des Reiters eher zu statt abnimmt. Die Zeiten des Militärdrills in Reithallen sind vorbei!

2. Er sollte immer, egal ob bei den ersten Reitstunden oder im fortgeschrittenen Stadium den Sitz des Reiters berücksichtigen. Denn der Sitz des Reiters ist und bleibt sein wichtigstes Werkzeug. Je geschmeidiger, ausbalancierter und feiner ein Reiter sitzt, desto besser kann er auch auf schwierigere Pferde einwirken.
Viele Reiter kann man jedes Wochenende auf dem Turnier beobachten, die in Traversalen oder Piouretten falsch sitzen. Was ich damit sagen möchte ist, dass die Sitzkorrektur nicht nur im Anfängerunterricht entscheidend ist. Viele Pferde haben sich ja schon auf den individuellen falschen Reitersitz eingerichtet. Gerade im Falle von einknickenden Hüften oder schiefem Becken helfen die Pferde dank ihrer natürlichen Schiefe gerne nach, dass die Reiter ja so sitzen bleiben. (sonst müssten die Tiere unter Umständen noch mit ihrem schwächeren Hinterbein mehr arbeiten, als sie eigentlich wollten!) Auch dem erfahrenen Reiter empfehle ich regelmässigen Longenunterricht, machen die Bereiter in der Wiener Hofreitschule im übrigen auch.

3. Der Unterricht des Reitlehrers sollte zu seinem eigenen Reitstil passen. Ein Reitlehrer der seine Reitschüler konsequent auffordert gefühlvoll mit der Hand einzuwirken, selbst auf dem Pferd hingegen zwei Fäuste gegen ein Maul einsetzt und verbissen bis gewaltsam wird, ist unglaubwürdig.
Umgekehrt habe ich es auch schon erlebt, dass ein Pferd unter dem Reitlehrer mehr oder weniger machen konnte was es wollte, der gleiche Reitlehrer vom Reitschüler aber volle Kontrolle in jeder Situation verlangte. Auch das ist passt nicht zusammen.

4. Die Sprache, kann mein Reitlehrer sich fachlich gut ausdrücken? Das heißt benutzt er Fachvokabular? Jemand der Anweisungen gibt wie: „jetzt zieh mal am rechten oder linken Zügel“ oder „tritt mal mit dem Bein zu“ würde ich ablehnen. Den Zügel annehmen und nachgeben klingt nicht nur sanfter, sondern ist in der Reitersprache auch korrekter ausgedrückt. Auch Nackenhaare aufrichtend ist: „reite mal die Ecke auf dem Zirkel mehr aus“, oder auch ein Klassiker „reite den Zirkel runder und galoppiere ihn dann in der Ecke an“. Was sind das für Zirkel? Ein weiterer Klassiker: „durchparieren zum Arbeitstempo Schritt“, zack alle Haare wieder senkrecht, es gibt nämlich kein Arbeitstempo Schritt.

5. Ist mir der Reitlehrer sympathisch? Warum soll ich jemanden Geld geben, den ich nicht leiden mag, auch wenn er noch so gut ist. Die Chemie muss stimmen. Nur jemanden den ich an mich heranlasse von dem nehme ich auch Kritik und Verbesserungsvorschläge an. Ich muss mich nicht verkumpeln, sondern ich muss den Reitlehrer respektieren und ihm vertrauen.

6. Passt er fachlich zu mir und meinen Ansprüchen. Es tummeln sich sehr viele Reitlehrer, egal ob Trainer C oder Reitmeister auf dem Markt, doch welcher ist gut für mich. Es gibt durchaus Reitlehrer die z.B. auf dem Niveau A-Dressur / A-Springen unterwegs sind, hervorragenden Anfängerunterricht geben können und ein sensationelles Gespür für Kinder und Jugendliche aufweisen. Für jemanden der sich mit seinem Pferd auf dem Wege von A zu L befindet wird dieser Reitlehrer sicher nicht erfahren genug sein. Es gibt auch hochdekorierte, erfahrene Reitlehrer mit Erfahrungen im nationalen und internationalen Turniersport die durch gute Turnierleistungen ihrer Schüler glänzen, aber findet so jemand auch die richtigen Worte für den Freizeitreiter der sich nur sicher mit seinem Feld-Wald-Wiesenpferd in der Bahn bewegen möchte? Wichtig ist, dass man selber weiß was man möchte. Erst wenn diese Ziele klar formuliert sind, kann man auch gezielt suchen. Kleiner Rat am Rande, nicht die Masse an Reitschülern macht jemanden kompetent, sondern seine Qualität. Meist sind die mit der meisten Erfahrung auch die, die über ein umfangreiches Wissen verfügen. Unterricht der immer nach dem gleichen Schema stattfindet, egal welches Pferd mit welchem Reiter in der Bahn ist, würde mich stutzig machen. Das klingt dann ein wenig nach wenig nach Schema F Unterricht. Aber nicht jeder Reiter und jedes Pferd brauchen die gleichen Anweisungen. Gerade bei komplexeren Pferd-Reiter Problemen steigen einige Reitlehrer aus, da sie Ursache und Wirkung nicht detailgenau erkennen und am Problem vorbei unterrichten. Als Ausbilder muss ich erkennen können, wo die Schwachstellen sind. Verursacht der Reiter das Problem beim Pferd oder das Pferd beim Reiter. Nur ein geübter Reitlehrer wird dies sehen und beheben können. Ein analytischer Ansatz mit einem Schatzkästchen voller Lösungswege macht den guten Ausbilder aus.

7. Auch ein wenig vorsichtig wäre ich bei eigenartigen Lebensläufen des Reitlehrers. Erkenne ich trotz häufiger Stallwechsel des Ausbilders, eine Tendenz zur beruflichen Weiterbildung, da der Weg von guten Ställen zum Besseren erfolgte? Oder zeichnet er sich durch Kontinuität aus und hat in einem Stall seit Jahren zufriedene Kunden? Spannender wird es dann noch bei den Quereinsteigern. Habe ich die frustrierte Angestellte die jetzt ihr Hobby zum Beruf machen möchte? Die mühsam einen Trainerschein erlangt hat und auf 5 Jahre mehr schlechte als rechte Reiterfahrung auf einem alten Haflinger zurück blicken kann? Oder habe ich dort den erfahrenen Amateur der sich auf allen Pferden der Welt wohl fühlt und den Trainerschein gemacht hat um auch anderen Reitern zu helfen? Entscheiden wird das der Markt, denn Reitlehrer gibt es genug.
Ist keiner Reitlehrer in der Nähe zu finden, gibt es immer noch die Möglichkeit jemanden zu suchen der für einen Lehrgang in den Stall kommt. Oder ich gönne mir eine Trainingswoche bei meinem Wunschausbilder, indem ich ihn besuche. Möglichkeiten gibt es viele und auch zweimal im Jahr ist auch regelmäßig!  😉

8. Benehmen. Nicht zu unterschätzen: wie zuverlässig ist mein Reitlehrer? Kommt er konsequent zu spät? Setzt sich in die Ecke, um mit den Herrschaften an der Bande ein Pläuschchen zu halten, obwohl ich mir gerade den Allerwärtesten abgaloppiere? Spricht er leise kaum verständlich? Telefoniert er während der Reitstunde und verkauft nebenbei noch 3 Pferde? Wird er unverschämt oder laut wenn etwas nicht klappt? Oder bleibt er stur in der Ecke sitzen und gibt dem Reiter damit das Gefühl, ich mache es mir mal gemütlich während Du Dir da einen abmühst? Alles so Dinge die ich einfach nur respektlos finde und die sich einfach nicht gehören! Genauso wie rauchen in der Reitbahn oder lästern über Reitschüler und andere Einstaller. Reitlehrer sind auch Vorbilder!

Zusammenfassend kann man nur sagen: schaut Euch den Reitunterricht Eueres zukünftigen Reitlehrers an und zwar von der Bande, so dass Ihr auch was hören könnt. Unterscheidet er von Reiter zu Reiter? Haben die Reiter ein offenes vertrautes Verhältnis zu ihm? Sind die Reiter oder das Pferd nach der Reitstunde gestresst oder entspannt? Waren Verbesserungen beim Reiter und beim Pferd während der Reitstunde erkennbar? Ging der Reitlehrer auf Emotionen ein, wie Angst, Verkrampfung, Agressivität beim Reiter oder beim Pferd? Passen die Qualifikationen und das Können des Reitlehrers zu meinen Zielen? Stimmen Preis und Leistung? (Löst Euch von dem Gedanken für 10,-€ die Stunde einen Bundestrainer zu bekommen). Manchmal ist ein teurer Reitlehrer, den ich mir nur 2 mal im Monat leisten kann, effektiver als einer der jede Woche in mein Budget passt.

In diesem Sinne : Viel Spaß beim Suchen,
PS: Ich habe den idealen Reitlehrer bereits gefunden!

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